Wanderausstellung in der Wiesenkirche Soest macht Hoffnung sichtbar
Wanderausstellung in der Wiesenkirche Soest macht Hoffnung sichtbar Das Kirchenasyl steht vor neuen Herausforderungen. Mit dem Inkrafttreten des reformierten Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) haben sich die Rahmenbedingungen für Asylverfahren in Europa deutlich verändert. Viele Kirchengemeinden und Flüchtlingsinitiativen befürchten, dass die neuen Regelungen den Zugang zu Schutz erschweren und den Handlungsspielraum des Kirchenasyls weiter einengen. Gerade deshalb gewinnt die Frage nach christlicher Verantwortung für Menschen auf der Flucht neue Aktualität.
Vor diesem Hintergrund ist vom 27. Juli bis 30. August die Wanderausstellung „Zuflucht geben – gemeinsam hoffen“ in der St. Maria zur Wiese (Wiesenkirche) in Soest zu sehen. Sie lädt dazu ein, hinter politische Debatten und Schlagzeilen zu schauen und den Menschen zu begegnen, um die es beim Kirchenasyl geht.
Neun großformatige Portraits erzählen die Geschichten von Frauen, Männern und Familien, die vor Krieg, Verfolgung und existenzieller Not fliehen mussten und zeitweise Schutz im Kirchenasyl fanden. Sie berichten von Angst, Entrechtung und Unsicherheit – aber ebenso von neuer Hoffnung, von Menschen, die ihnen beigestanden haben, und von der Erfahrung, wieder als Mensch wahrgenommen zu werden.
Ergänzt werden die Portraits durch Informationstafeln zur Praxis des Kirchenasyls und durch Stimmen von Menschen, die sich seit vielen Jahren in der Begleitung Geflüchteter engagieren. Die Ausstellung macht deutlich: Kirchenasyl ist kein Gegenentwurf zum Rechtsstaat. Es ist ein verantwortungsvoll eingesetztes Instrument für außergewöhnliche Härtefälle, wenn alle rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft sind und dennoch Gefahr für Leib und Leben besteht.
Wie bedeutsam dieses Engagement ist, zeigt die Arbeit im Evangelischen Kirchenkreis Soest- Arnsberg. Seit 2018 begleitet die Synodalbeauftragte für Flüchtlingsarbeit die Kirchenasylarbeit im Kirchenkreis. In den vergangenen acht Jahren konnten dort mehr als 250 Kirchenasyle durchgeführt und über 300 Menschen vor einer Abschiebung in existenzielle Notlagen bewahrt werden. Hinter diesen Zahlen stehen bewegende Schicksale: Familien mit kleinen Kindern, die in überfüllte Flüchtlingslager zurückgeschickt werden sollten, Menschen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt wurden, oder Geflüchtete, denen nach oft jahrelanger Flucht erstmals wieder ein Leben ohne permanente Angst möglich wurde.
Kirchenasyl bedeutet dabei weit mehr als Unterkunft. Es ist gelebte Gemeinschaft. Ehrenamtliche begleiten die Menschen im Alltag, organisieren Lebensmittel und medizinische Versorgung, helfen beim Deutschlernen und öffnen die Türen der Gemeinden. So entstehen Beziehungen, aus Fremden werden Nachbarn und nicht selten Freunde. Viele ehemalige Bewohnerinnen und Bewohner eines Kirchenasyls konnten nach erneuter Prüfung ihres Falls in das reguläre Asylverfahren aufgenommen werden und leben heute mit einer realen Bleibeperspektive in Deutschland.
Dieses Engagement kostet Zeit, Kraft und Geld. Da Menschen im Kirchenasyl keine staatlichen Leistungen erhalten, tragen die Kirchengemeinden die Kosten für Versorgung, medizinische Hilfe und Rechtsberatung. Der Kirchenkreis Soest-Arnsberg unterstützt diese Arbeit seit 2019 mit einem Fonds, aus dem inzwischen mehr als 200.000 Euro für Kirchenasyle bereitgestellt wurden.
Die Ausstellung versteht sich deshalb nicht nur als Information, sondern auch als Einladung zur Begegnung. Sie erinnert daran, dass hinter jeder asylrechtlichen Entscheidung ein Mensch mit einer unverwechselbaren Geschichte steht. Das biblische Wort Jesu „Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen“ (Matthäus 25,35) erhält hier eine konkrete Gestalt.
Gerade in einer Zeit, in der Flucht und Migration häufig kontrovers diskutiert werden und das Kirchenasyl selbst unter zunehmendem politischen Druck steht, möchte die Ausstellung Räume für Gespräch, Nachdenken und Hoffnung eröffnen. Sie macht sichtbar, dass christliche Nächstenliebe dort beginnt, wo Menschen einander nicht zuerst als Problem, sondern als Mitmenschen begegnen.
Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten der Wiesenkirche frei zugänglich. Der Eintritt ist frei.
Die Ausstellung wird unterstützt von den Christians & Churches for Future im Raum Soest.
Vertiefende Informationen zur Ausstellung finden sich unter:
https://cc4f-soest.org/voran-gehen/schoepfungszeit-2026/
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